Älteste Spezialsammlung für Spielzeug in Deutschland

Deutsches Spielzeugmuseum
Sonneberg

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Mumiensarkophag

mumie.jpgEuropa war seit der römischen Antike von Ägypten fasziniert. Kunst und Kultur erschienen exotisch und geheimnisvoll. Das Land der Pharaonen galt als Hort von Weisheit und uraltem Wissen. Besonders das 19. Jahrhundert war eine Zeit der Ägyptomanie. Ägyptisches floss in Kunst, Architektur, Mode und Lebensstil ein. Die Spanne reichte vom Kunstwerk bis zum Nippes. Die Begeisterung wurde immer wieder durch aktuelle Ereignisse entfacht: Napoleons Ägyptenfeldzug, die Entzifferung der Hieroglyphen, die Eröffnung des Suezkanals.

Seit seiner Gründungszeit 1901 besitzt das Museum einen Mumiensarkophag. Allerdings ist er nur 10 cm lang und aus Papiermaché. Der um 1900 hergestellte „Ägyptennippes“ war nicht für eine Mumie, sondern wohl für eine Zigarre gedacht.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in Sonneberg Artikel aus Papiermaché produziert. Bestandteile des Papiermachébreies waren neben zerfasertem Papier und Pappe, Kaolin, Kreide und Knochenleim. Beim Papiermachéguss, einer 1898 entwickelten Technik, wurde der sehr flüssige Brei in eine zweiteilige Gipshohlform gegossen. Der Gips sog das Wasser aus der Gießmasse. Diese lagerte sich als Schicht an den Wänden ab. Nach dem Aushärten konnte die Figur aus der Form gelöst und bemalt werden.

Die Herstellung von Puppenköpfen und Gliedern aus Papiermaché hatte Sonnebergs Entwicklung zu einem Zentrum der Spielzeugproduktion begründet. Daneben wurden alle möglichen Arten von Figuren hergestellt. Als hohle Attrappen konnten sie z. B. mit Süßigkeiten befüllt werden. Der Mumiensarkophag gehörte vermutlich zu den Zigarren- und Tabaksbehältern. In dieser Sparte bot z. B. das Handelshaus Louis Lindner & Söhne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Bauern und Bäuerinnen, Napoleon, Friedrich II. von Preußen, Ritter, Milchmädchen und Mönche an.